Im Newsletter vom August wurde die Umfrage zum Thema ,Informationsangebote für Anpaarungsentscheidungen von Holsteiner Pferdezüchtern‘ vorgestellt. Allen Teilnehmern möchten wir für ihr Mitwirken herzlich danken! Die Umfrage wurde inzwischen von Miriam Engel im Rahmen ihrer Bachelorarbeit am Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ausgewertet und die Umfrageergebnisse möchten wir Ihnen - wie angekündigt - nachfolgend kurz vorstellen. Ein detaillierter Überblicksartikel ist für eine der kommenden Ausgaben der Pferd+Sport geplant.
An der Umfrage haben insgesamt 218 Personen teilgenommen, von denen der Großteil zwischen 21 und 60 Jahre alt war. Die meisten Teilnehmer züchteten mit ein bis sechs Stuten aktiv Holsteiner. Sämtliche Körbezirke waren durch jeweils mindestens neun Teilnehmer in der Umfrage vertreten; knapp ein Drittel der Teilnehmer gehörte dem größtem Körbezirk der Auswärtigen Mitglieder an.
Ziel der Befragung war es, den Bekanntheitsgrad der verschiedenen Informationsangebote für Anpaarungsentscheidungen von Holsteiner Pferdezüchtern zu ermitteln und festzustellen, ob und welcher Ausweitungs- und Verbesserungsbedarf besteht. Außerdem sollte festgestellt werden, welche Bedeutung die unterschiedlichen Informationsangebote und Kriterien für die Holsteiner Züchter bei der Zuchtauswahl haben.
Die Umfrageergebnisse unterstreichen die hohe Relevanz von Informationsangeboten zur Pferdegesundheit. Hier besteht jedoch verbandsübergreifend Nachbesserungsbedarf. Mit der sich im Aufbau befindlichen Gesundheitsdatenbank haben die deutschen Zuchtverbände schon seit Längerem versucht, diesem Aspekt mehr Rechnung zu tragen. Eine entscheidende Verbesserung des Informationsangebotes konnte aber erst jüngst durch die seit der Gründung der IAFH betriebenen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, die u.a. auf die Vermeidung von Erbfehlern abzielen, erreicht werden.
Neben der Gesundheit wurden auch der Galopp, die Springanlage sowie die Leistungsbereitschaft von mehr als 95% der Teilnehmer als wichtig oder sehr wichtig eingestuft. Die folgende Grafik zeigt im Detail die Relevanz unterschiedlicher Kriterien bezüglich der Anpaarungsentscheidungen:
Es konnte festgestellt werden, dass die verschiedenen Informationsangebote zu Anpaarungsentscheidungen hinsichtlich ihres Bekanntheitsgrades teils deutlich variieren. So war beispielsweise fast einem Drittel der Teilnehmer nicht bekannt, dass es neben der Online-Anpaarungsempfehlung des Holsteiner Verbandes auch noch die Möglichkeit einer telefonischen Anpaarungsempfehlung gibt. Die Internetseite ‚Holsteiner Pedigrees‘ – ein erst seit wenigen Jahren verfügbares Informationstool – weist bereits jetzt einen hohen Bekanntheitsgrad auf und gehört zudem neben den Leistungsprüfungsergebnissen der Hengste zu den laut Umfrageergebnissen besten Informationsquellen. Die Internetseite Horsetelex, mit der Nutzer sich den Vollblutanteil sowie den aus einer Anpaarung resultierenden Inzuchtkoeffizienten (teils kostenpflichtig) berechnen lassen können, ist knapp einem Fünftel der Teilnehmer noch unbekannt, gehört aber zu den hinsichtlich ihres Informationswertes am besten beurteilten Angeboten. Eine Erweiterung von ‚Holsteiner Pedigrees‘ um ähnliche Angebote könnte die Zufriedenheit der Züchter mit den vom Verband zur Verfügung gestellten Informationsangeboten noch weiter erhöhen.
Bei der Hengstauswahl spielen die Ergebnisse der Leistungsprüfung eine ebenso große Rolle wie die verbandsinternen Zuchtwerte. Ein anderes Bild ergibt sich auf der Stutenseite: Hier finden die Eintragungsnoten sowie die Ergebnisse der Stutenleistungsprüfung deutlich weniger Berücksichtigung bei Anpaarungsentscheidungen als die verbandsinternen Zuchtwerte für die Stuten. Wobei hier sicherlich bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden muss, dass insbesondere Noten aus der Stutenleistungsprüfung auch nur für einen Bruchteil der Zuchtstuten vorliegen. Grundsätzlich ist die Akzeptanz der verbandsinternen Zuchtwertschätzung positiv zu beurteilen, die Nutzung der Ergebnisse sollte aber noch weiter forciert werden. Dies könnte u.a. durch eine Berücksichtigung weiterer Merkmale (z.B. aus der linearen Beschreibung) bei der klassischen Zuchtwertschätzung erreicht werden. Als weitere Informationsquelle kommen darüber hinaus in diesem Jahr genetische Marker hinzu, mit denen bestimmte genetische Eigenschaften eines Pferdes schon im Fohlenalter relativ sicher bestimmt werden können.
Auch der Fremdbluteinsatz war Thema der Umfrage. Die Teilnehmer waren über die Möglichkeiten des Fremdbluteinsatzes sehr gut informiert, ein Großteil hat bereits fremdblütige Hengste eingesetzt. Es wurde aber deutlich, dass eine Ausweitung des existierenden Informationsangebotes gerade in Bezug auf Fremdbluthengste Wunsch vieler Züchter ist.
Der Holsteiner Verband ist traditionell bemüht seinen Züchtern innovative Entscheidungshilfen an die Hand zu geben, beispielhaft genannt sei hier die Vorreiterrolle bei der linearen Beschreibung von Junghengstnachkommen. Abschließend lässt sich sagen, dass die Umfrageergebnisse einen guten Aufschluss darüber geben, welche Informationstools besonders bekannt sind und häufig genutzt werden, sie zeigen aber auch Ausweitungsmöglichkeiten auf, mit denen die existierenden Angebote künftig weiter verbessert werden können. Insgesamt war die Mehrheit der Teilnehmer jedoch mit dem aktuell angebotenen Informationsangebot des Holsteiner Verbandes zu Anpaarungsentscheidungen zufrieden und schätzte es im Vergleich zu anderen Verbänden als gleichermaßen gut ein.
Die Umfrage wurde von Miriam Engel im Rahmen ihrer Bachelorarbeit am Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ausgewertet.