07. Juli 2022
Delegiertenversammlung: Wahlen, Berichte und Satzungsänderungen

Am 13. Juni trafen sich die Delegierten der Körbezirke, der Vorstand und die Geschäftsführer des Holsteiner Verbandes zur Versammlung in Neumünster. Der wichtigste Punkt einer umfangreichen Tagesordnung war sicherlich Wahl des neuen Vorsitzenden sowie zweier Beisitzer. Neben den Wahlen, den Berichten der Geschäftsführer und dem Finanzbericht standen auch zahlreiche Satzungsänderungen auf der Tagesordnung.

Hinrich Romeike, der nicht zur Wiederwahl für den Vorsitz zur Verfügung stand, begrüßte das Plenum und bat zunächst um eine Gedenkminute für verstorbene Mitglieder. Hans-Helmuth Sievers wurde hier stellvertretend genannt. Romeike fuhr mit einem Lob für das Hauptamt fort und verkündete, dass die gute Arbeit sich auch später im Finanzbericht widerspiegeln werde. Anschließend berichtete er, dass es eine Zusage des Bürgermeisters der Stadt Elmshorn gebe, die die Überschreibung des Grundstückes zur Überplanung beinhalte, wenn die Tribüne durch den Holsteiner abgerissen und entsorgt werde. Zu diesem Mammutprojekt hat es bereits einen Workshop gegeben, aus dem auch zahlreiche Ideen hervorgehen, die hinsichtlich ihrer Durchführbarkeit abgewogen und geprüft werden. Vorstandsmitglied Inken Gräfin von Platen-Hallermund ist federführend mit diesem Thema beschäftigt. Weitere Themen, die den Vorstand in den vergangenen Monaten beschäftigt haben, sind unter anderem die Verschlankung des Betriebes, die Förderung von Holsteiner Dressurpferden, die fortschreitende Digitalisierung und die anstehende Umstellung der IT weg vom LKV zum VIT (Vereinigte Informationssysteme Tierhalter) aus Verden.

Stephan Haarhoff, Zuchtleiter
Stephan Haarhoff startete seinen Bericht mit einigen Zahlen und Informationen von der FN. Bei der Fohlenerfassung im Bereich der Warmblüter gibt es beispielsweise ein Plus von 3,6 Prozent zu verzeichnen. Und auch in Holstein gibt es Zuwächse zu vermelden: bisher 6,2 Prozent bei den gemeldeten Fohlen. Auch die Turnierstarts steigen wieder – jedoch haben sie das Niveau von vor der Pandemie noch längst nicht wieder erreicht. Neuigkeiten gibt es auch bezüglich der Bundeschampionate. Um die Attraktivität zu erhöhen, gibt es ab diesem Jahr höhere Preisgelder, ein Großen Preis im Springen für Pferde ab acht Jahren, ein Bundeschampionat für siebenjährige Dressurpferde und zum Beispiel überdachte Tribünen.
Ein wichtiges Thema sieht der Zuchtleiter in der Zukunft der Stuteneintragungen. „An diesem Konzept müssen wir arbeiten, um die Attraktivität für die Züchter zu steigern.“ Zum Schluss berichtete Haarhoff vom Status Quo der Leitlinien zum Tierschutz im Pferdeschutz. Die zielgerichtete Ausbildung zum Beispiel das Longieren in altersgemäßer Selbsthaltung und das Freispringen bis 1,30 Meter bleiben erlaubt und die Regel, dass Pferde erst ab dem 30. Lebensmonat in die Ausbildung genommen werden dürfen, bezieht sich auf den Körtermin und nicht die Vorbereitung. „Mit unserem neuen Termin im Februar sind wir gut aufgestellt. Aber wir werden beobachtet und sollten es auf keinen Fall übertreiben“, mahnte Stephan Haarhoff eindringlich.

Sebastian Rohde, Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH
Es war die erste Delegiertenversammlung für den neuen Geschäftsführer Sebastian Rohde, seit dem 15. März in Elmshorn tätig ist. Rohde eröffnete seinen Bericht mit einigen Zahlen. 26 Hengste befinden sich derzeit im Frischsamen-Einsatz, 39 sind über TG erhältlich. Beim Top-Ten-Vergleich ist es in diesem Jahr Crack, der bisher die meisten Stuten (275) gedeckt hat, gefolgt von Charaktervoll (193) und Casall (192) und Clarimo (152). Und bei den Dreijährigen sind es Nohoval (48) und Update (42), die bisher den meisten Zuspruch erhalten. Verkauft wurden Caracho und Lenair, Adagio de Talma, Cancara, Conway und Cornetino sind derzeit ins Ausland verpachtet. Und von Clarksville berichtete Rohde, dass seine Entwicklung vielversprechend aussieht, aber dieses Jahr auch noch Entscheidung zum weiteren Vorgehen gefällt werden wird. Ein Thema, mit dem sich der neue Geschäftsführer in Zukunft auch beschäftigen möchte, ist die Anpassung der Decktaxe II ab 2023, um eine Mitgliedschaft im Holsteiner Verband noch zu erhöhen. Außerdem wird es beim Landesfohlenchampionat in Bad Segeberg, das in diesem Jahr bereits am 14. August stattfinden wird, ein erweitertes Angebot eigens für dressurbetonte Fohlen geben.

Roland Metz, Vermarktung und Auktion
Roland Metz startete mit einem kurzen Rückblick auf zwei Fohlenauktionen. „Die Derbyauktion in Hamburg hat leider nicht so funktioniert wie gewünscht. Das schlechte Wetter hat sicherlich einen großen Anteil dazu beigetragen“, erklärte Metz. Anders bei der Auktion anlässlich der Pferdetage, dort wurden über 90 Prozent der Kollektion zu einem Durchschnittspreis von rund 9.700 Euro verkauft. Weiter erklärte er, dass die Vermarktungs GmbH für 2022 gut aufgestellt sei, aber verwies auch gleichzeitig darauf, dass wegen des verschobenen Körzeitpunktes in diesem Jahr keine Hengstauktion stattfinden wird. Den Züchtern gab er mit auf den Weg, dass auch in Zukunft Auktionen nur dann erfolgreich bespielt werden können, wenn sie den Verband dabei unterstützen und mit ihren besten Pferden zur Auktion kommen.

Finanzbericht
Ein erfreulicher Tagesordnungspunkt war auch der Finanzbericht, der eine Liquiditätsteigerung um 1,2 Millionen Euro über alle drei Gesellschaften hinweg zu verzeichnen hat. Eine deutliche Verbesserung des Bilanzergebnisses konnte die Hengsthaltungs GmbH vorweisen – vor allem durch bessere Erträge beim Pferdeverkauf. Die Vermarktung steht zum ersten Mal und vor allem durch höhere Auktionsumsätze und Sondereffekte mit schwarzen Zahlen da, wobei auch ohne diese Sondereffekte das Ergebnis positiv gewesen wäre. Beim Verband in Kiel besteht zudem weiterhin eine konstant positive Ertragslage. Im Anschluss wurde der Vorstand einstimmig durch die Delegiertenversammlung entlastet.

Wahlen
Bevor der stellvertretende Dr. Maximilian Slawinski als Wahlleiter fungierte, dankte er Hinrich Romeike: „Du hast viel Zeit geopfert, viele Impulse gesetzt und dich stets dafür eingesetzt, das Holsteiner Pferd weiterzuentwickeln“. Ulrich Steuber kandierte um den Vorsitz des Verbandes auf drei Jahre. Der 66 Jahre alte Architekt aus Osdorf ist kein unbekanntes Gesicht. Bisher hatte er den Vorsitz des Körbezirks Rendsburg-Eckernförde inne, war Sprecher der Körbezirksvorsitzenden und Good-Goverance-Beauftragter. Dies Ämter legte er, nachdem er von den Delegierten einstimmig gewählt wurde, nieder und bedankte sich für das Vertrauen der Wähler. „Ich wünsche mir eine von Vertrauen, Respekt und Zuverlässigkeit geprägte Zusammenarbeit für das Holsteiner Pferd“, ließ Steuber verlautbaren. Zum Beisitzer für die kommenden drei Jahre wurde zunächst Dieter Feddersen (Joldelund) wiedergewählt, bevor Jürgen Schaffner (Hohenaspe) als Beisitzer für ein Jahr gewählt wurde. Zum neuen Good-Governance-Beauftragten wurde schließlich Hans-Joachim Ahbahs (Bokel) gewählt.


Die wichtigsten Satzungsänderungen

  • Eintragung von Hengsten in das Hengstbuch Holstein I, die im WBFSH-Ranking auf den Plätzen 1. bis 50. gelistet sind, ohne Teilnahme an einer Körveranstaltung möglich
  • Vorstellung von fremdblütigen Hengsten ohne Empfehlung des Zuchtausschusses und Zustimmung des Vorstandes auf einer Körveranstaltung in Elmshorn möglich
  • Die Begrenzung der Bedeckungen von Hengsten entfällt
  • Das Thema Medikation beziehungsweise Doping wird ausführlicher in der Satzung geregelt: 1. dreimonatige Sperrfrist bis zur Wiedervorstellung, 2. Je nach Schwere des Vergehens wird eine Geldbuße bis zu 50.000 Euro fällig

 

 

Text und Foto: Carolin Tassius-Diederich

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