20. August 2021
Bundeschampionat 2021: Crack holt Titel, Keaton auf Platz sechs

Neben dem sehr guten Abschneiden der Pferde aus dem Land zwischen den Meeren, die insgesamt acht Medaillen für sich beanspruchten, waren es insbesondere zwei Vererber aus dem Stall der Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH, Elmshorn, über die die Szene der Sport- und Zuchtinteressierten derzeit spricht. Die Rede ist von Crack und Keaton.

Die Karriere von Crack begann auf der Holsteiner Körung 2017. Schon als Zweieinhalbjähriger bestach der Schimmel aus der Zucht des spanischen Gestüts Campos de Cria de Caballos de Deporte durch eine ganz moderne Aufmachung und korrektes Fundament. Der damalige Zuchtleiter, Dr. Thomas Nissen, lobte die Leichtigkeit, die Schnellkraft und das Vermögen, die Crack von Natur aus gegeben sind. Alles Eigenschaften, die der heute Sechsjährige auch bestens unter dem Sattel umzusetzen weiß. Seit rund 15 Jahren züchtet die Familie Campos in der Nähe von Madrid Holsteiner Pferde. „Zu dem Zeitpunkt als Hengste wie Cassini I, Corrado, Caretino und Contender an der Weltspitze waren, begann ich mit der Zucht. Wahrscheinlich waren es diese Pferde, die mich zum Holsteiner Fan machten. Ich verwende immer folgendes Beispiel dafür: Wenn wir über Fußball sprechen, sind die meisten Kinder Fans von Real Madrid oder Barcelona wegen Leo Messi oder Christiano Ronaldo. Und ich glaube, dass in den Jahren von Cassini und Corrado auch viele Züchter Holsteiner Fans wurden – wegen genau dieser Hengste“, erinnert sich Eduardo Campos. Mit Cracks Züchtern verbindet Norbert Boley eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. 1999 kaufte Boley Cracks Mutter Operette v. Candillo als Fohlen, da ihre Großmutter, die Aloube Z-Tochter Adele, selbst ein sehr gutes Pferd war und mit Quinar auch schon ein Sohn gebracht hatte, der sowohl als Hengst als auch als Springpferd zu überzeugen wusste. Später kaufte Otto Boje Schoof schließlich Operette und züchtete mir ihr einige gute Sportpferde, unter anderem Corcega la Silla v. Casall, die zunächst mit Rolf Göran Bengtsson und später mit Jose Antonio Chedraui im Sport auf sich aufmerksam machte. Als die Familie Campos einige Jahre später über eine Vermittlung durch Tobias Hanke mit der Bitte an den Holsteiner Verband herantrat, ihnen beim Kauf interessanter Stuten behilflich zu sein, stellte Norbert Boley den Kontakt zu Otto Boje Schoof her. Aus dieser Zusammenarbeit heraus entstand die Möglichkeit für die Hengsthaltungs GmbH, Vererber aus dieser erfolgreichen Stutenlinie für die Holsteiner Zucht zu sichern – so geschehen bei Crack.

Sporttest, Landeschampionat, Bundeschampionat – immer siegt Crack
Bereits beim Sporttest im März 2021 kamen die positiven Reiteigenschaften und das überdurchschnittliche Springen von Crack zum Vorschein. Mit einer gewichteten Endnote von 9,25 ließ er die Konkurrenz in Verden hinter sich. Seine sportliche Laufbahn fand in diesem Jahr ihren vorläufigen Höhepunkt mit dem Sieg anlässlich des Landeschampionates im Juni in Elmshorn. Bereits zu diesem Zeitpunkt war bekannt, dass sich die Wege des Cornet Obolensky-Sohnes und seinem bisherigen Ausbilder, Maximilian Gräfe, trennen würden. Nur wenige Tage später gab Norbert Boley, der Crack übrigens im Anschluss an seine Körung für die Holsteiner Züchter gesichert hatte, bekannt, dass er einer der erfolgreichsten und besten Springreiter Deutschlands, nämlich Richard Vogel (Marburg), ab Anfang Juli den Beritt des Verbandshengstes übernehmen würde. Den Kontakt zu Vogel hatte zuvor Matthias Wittke, Vorsitzender des Körbezirks Europa, hergestellt. Eine große Chance für den Hengst, an die aber auch große Erwartungen geknüpft sind. Nach kurzer Kennenlernphase und zwei vorbereitenden Turnieren reiste das neue Paar nach Warendorf, wo nicht nur die Holsteiner Züchter ganz genau hinschauten, wenn Crack und Vogel im Parcours unterwegs waren. Nach mehr als überzeugenden Runden in den Qualifikationen, übertraf Crack am finalen Sonntag jegliche Erwartungen. „Wir haben natürlich auf ein gutes Ergebnis gehofft, aber mit dem Gewinn des Championats-Titels haben wir nicht gerechnet. Jeder, der sich in unserem Sport ein wenig auskennt, weiß wie lang und steinig der Weg allein bis nach Warendorf ist. Dort dann zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes“, gibt Norbert Boley zu. Ein Triumph, der Crack nun nicht mehr zu nehmen ist. Euphorisch zeigte sich auch sein neuer Reiter im Anschluss an die Siegerehrung: „Der Hengst begeistert mich mit seiner Leistungsbereitschaft – sein Charakter und seine Einstellung sind außerordentlich. Ich habe das Gefühl, mit diesem Pferd ist alles möglich, wenn ich einen hohen Sprung anreite“.
Die ältesten Nachkommen von Crack, der bereits mit seinem ersten Jahrgang mit Championatsfohlen überzeugen konnte, sind nun zwei Jahre alt. Mit Spannung werden die ersten Söhne auf den Vorauswahlen zur Körung im Herbst erwartet. Ob sie einmal in die jetzt schon großen Fußstapfen ihres Vaters treten werden, bleibt abzuwarten. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch relativ groß, denn Cracks Genetik ist über Cornet Obolensky, Candillo, Aloube Z und Calypso I im Holsteiner Stutenstamm 1020 sehr gut abgesichert.

Keaton – ein Kannan mit Holsteiner Überguss
Keaton v. Kannan-Contendro I wurde in der laufenden Turniersaison gezielt eingesetzt, sodass er sich mit seinem neuen Reiter Massimo Bonomi – der seinen Beritt im April übernahm – mehrfach in Springpferdeprüfungen der Klassen L und M platzierte. In Elmshorn, Breitenburg, Hörup und Ladelund verließ diese Kombination die Prüfungsplätze siegreich und mit Wertnoten im sehr guten Bereich. Die Qualifikation zum Bundeschampionat erfolgte in Breitenburg. In Warendorf blieb der Braune aus der Zucht von Rudolf Schmitt (Wöhrden) in allen Umläufen fehlerfrei: In der ersten Qualifikation vergab die Jury die Wertnote 8,7, was Rang fünf in der ersten Abteilung von 65 Startern bedeutete. Bei seinem zweiten Auftritt zeigte er sich ebenfalls souverän und löste mit einer 8,5 und Rang sechs das Finalticket für die besten fünfjährigen Springpferde des Landes. Dort blieben Keaton und Massimo Bonomi in beiden Umläufen erneut fehlerfrei, steigerten die 8,7 aus Umlauf eins noch auf eine 8,8 in der zweiten Runde und belegten einen hervorragenden sechsten Platz der Endabrechnung.


Als Fohlen entdeckt
Schon als Fohlen wechselte Keaton in den Besitz der Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH, woran sich Geschäftsführer Norbert Boley noch genau erinnert: „Seine Blutführung allein ist schon hochinteressant, aber er war auch ein ungemein typvoller und bewegungsstarker Hengstanwärter, der optisch dabei durch und durch Holsteiner war.“ Bei seiner Körung 2018 präsentierte sich der Vertreter des Stamms 4847 auffällig: Er wurde Prämienhengst und schließlich als zweiter Reservesieger ausgezeichnet. „Bei allen Vorstellungen überzeugte er durch seinen sehr guten Rahmen und die optimale Körperaufteilung“, kommentierte der seinerzeitige Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen. „Diese Eigenschaften in Verbindung mit einem hohen Maß an Korrektheit ließen ihn schnell in die Jahrgangsspitze aufsteigen. Wertvoll für Holstein machen ihn auch die gute Oberlinie mit den harmonischen Übergängen und dem starken Rücken.“ Schon damals fiel des Weiteren seine besondere Bewegungsqualität auf, die durch große Schulterfreiheit und eine starke Hinterhand gestützt wird. Eigenschaften, die Keaton von anderen Kannan-Nachkommen hervorhebt.
Sein Sprungablauf wurde von der Körkommission als „leichtfüßig, mit super Technik und überzeugendem Vermögen“ beschrieben. Sein stolzer Züchter Rudolf Schmitt hatte Keatons Mutter Zahara II als Fohlen erworben, nachdem er ihren Züchter Ole Mellberg (Haarby) überzeugt hatte, Contendro I für seine Ritual-Landgraf I-Stute aus dem bedeutenden Stamm 4847 einzusetzen. Dieser Stamm hat zum Beispiel über den Siegerhengst Lancer II und den Reservesieger Cascadello I in Holstein Zuchtgeschichte geschrieben. „Zahara kann sich hervorragend bewegen, was sie zweifelsfrei an Keaton weitergegeben hat“, ist sich Schmitt sicher. „Sie ist ein schickes und modernes Pferd mit einem guten Gebäude, was für die Zucht von Sportpferden von großer Bedeutung ist“, so der Tierarzt aus Wöhrden. „Keaton ist ein Hengst, der neben seiner Sportlichkeit auch Kraft und Übersicht am Sprung mitbringt, dabei stets leistungsbereit auftritt – genau das, was ich damals bei der Anpaarung im Sinn hatte.“ Deshalb hat er sich bei der Hengstauswahl für Zahara II in diesem Jahr noch einmal für Kannan entschieden – auf diese Nachzucht darf man wohl gespannt sein.

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